Soziale Einrichtungen: Anlaufstellen für wichtige Probleme

Von Hartz4.de, letzte Aktualisierung am: 6. September 2021

Viele Menschen haben es schwer, sich in der Bürokratie des Sozialsystems zurechtzufinden. Dabei gibt es soziale Träger, die weiterhelfen können. Was sind soziale Einrichtungen? Definition, Beispiele sowie eine Liste von Anlaufstellen haben wir für Sie in diesem Ratgeber zusammengefasst.

Das Wichtigste zum Thema soziale Einrichtungen zusammengefasst

Was sind soziale Einrichtungen?

Diese Einrichtungen leisten soziale Arbeit, können also bei Armut, Arbeitslosigkeit aber auch bei gesundheitlichen und familiären Angelegenheiten weiterhelfen.

Wer betreibt soziale Einrichtungen?

Neben öffentlichen Trägern sozialer Einrichtungen (z. B. Sozial- und Jugendämter) gibt es freie soziale Träger (z. B. Wohlfahrtsverbände) und gewerblich-private (z. B. private Pflegeheime).

Welche sozialen Einrichtungen gibt es in Deutschland?

Hier finden Sie eine Auflistung einiger sozialer Einrichtungen in Deutschland.

Es gibt zahlreiche soziale Stiftungen in Deutschland.
Es gibt zahlreiche soziale Stiftungen in Deutschland.

Die wichtigsten sozialen Einrichtungen im Überblick:

Die Tafel Die Caritas

Was ist eine soziale Einrichtung?

Was ist eine soziale Einrichtung? Ein Beispiel sind Pflegeheime.
Was ist eine soziale Einrichtung? Ein Beispiel sind Pflegeheime.

Was der Begriff „soziale Einrichtungen“ meint, geht aus dem Sozialrecht, genauer gesagt aus dem ersten Sozialgesetzbuch (SGB I) hervor. Konkret liefert der erste Paragraf Anhaltspunkte dafür, was soziale Einrichtungen sind und welchem Zweck sie dienen.

Demnach sollen soziale Einrichtungen und Dienste zur Verwirklichung der Sozialgesetzbücher dienen. Diese haben gemäß § 1 Abs. 1 SGB I die Aufgabe, soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherheit zu gestalten und dazu beizutragen

  • ein menschenwürdiges Dasein zu sichern,
  • gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesondere auch für junge Menschen, zu schaffen,
  • die Familie zu schützen und zu fördern,
  • den Erwerb des Lebensunterhalts durch eine frei gewählte Tätigkeit zu ermöglichen und besondere Belastungen des Lebens, auch durch Hilfe zur Selbsthilfe, abzuwenden oder auszugleichen.

Dabei müssen freie soziale Träger von öffentlich-rechtlichen Trägern unterschieden werden. Beide sind auf Landes- und Bundesebene tätig, können sich aber überregional (durch sogenannte Dachverbände) organisieren.

Viele soziale Einrichtungen stellen ihre Dienste kostenlos bzw. ehrenamtlich zur Verfügung. Sie finanzieren sich hauptsächlich aus Spenden oder werden von öffentlicher Hand (d. h. von staatlicher Seite) bezuschusst. Andere finanzieren sich über Mitgliedsbeiträge. Ihre Dienste können dann nur von Mitgliedern beansprucht werden.

Soziale Einrichtungen: Beispiele nach Kategorien

Die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften sind wichtige soziale Träger.
Die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften sind wichtige soziale Träger.

Öffentlich-rechtliche soziale Einrichtungen sind z. B.:

  • Sozialversicherung
  • Integrationsämter
  • Jugendämter
  • Sozialämter
  • Jugend- und Sozialhilfe
  • Arbeitsämter
  • Kranken-, Pflege- und Familienkassen
  • Städte, (Land-) Kreise und Gemeinden
  • Länder und ihre überörtlichen Kommunalverbände
  • Ämter für Ausbildungsförderung (BAföG)

Freie soziale Einrichtungen sind z. B.:

  • Verbände, Vereine und Organisationen der freien Wohlfahrtspflege
  • Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften
  • Freie gemeinnützige Organisationen der Wohlfahrt (z. B. Selbsthilfegruppen)

Abschließend gibt es noch eine weitere Kategorie für soziale Einrichtungen, die der privat-gewerblichen Träger. Dazu gehören z. B. Ärzte und private Erzieher, die auf Honorarbasis arbeiten. Des Weiteren können private Pflegedienste, private Alten- und Pflegeheime dazu gehören.

Soziale Einrichtungen und Betriebe

Soziale Einrichtungen in Deutschland: Auch in Unternehmen gibt es sie (z.  B. die betriebliche Altersvorsorge).
Soziale Einrichtungen in Deutschland: Auch in Unternehmen gibt es sie (z. B. die betriebliche Altersvorsorge).

Soziales Engagement ist heute überall gefragt, selbst in der Wirtschaft.

Gerade in größeren Betrieben und Unternehmen kommt es vor, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmern soziale Leistungen gewährt (z. B. die betriebliche Altersvorsorge). Laut Definition ist eine betriebliche Sozialeinrichtung eine …

„mit zweckgebundenen Sondervermögen ausgestattete Einrichtung, die nach festgelegten Regeln soziale Leistungen für die im Betrieb tätigen Arbeitnehmer oder ihren Familienangehörigen auf Dauer erbringt.“ (BAG v. 10.02.2009 – 1 ABR 94/07, Rn. 32, BAGE 129, 313; 11.07.2000 – 1 AZR 551/99, Rn. 16, AP Nr. 16 zu § 87 BetrAVG Sozialeinrichtung).

Gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 8 des Betriebsverfassungsgesetzes hat der Betriebsrat Mitbestimmungsrechte bei der „Form, Ausgestaltung und Verwaltung von Sozialeinrichtungen, deren Wirkungsbereich auf den Betrieb, das Unternehmen oder den Konzern beschränkt ist.“

Soziale Organisationen in Deutschland: Finden Sie Ihre Anlaufstelle

Soziale Organisationen: Die Liste zeigt, welche es gibt und an wen Sie sich wenden können.
Soziale Organisationen: Die Liste zeigt, welche es gibt und an wen Sie sich wenden können.

Soziale Institutionen und Vereine gibt es in Deutschland reichlich. Oft kommt es vor, dass sich zahlreiche kleinere Träger unter einem größeren Dachverband zusammenschließen und so über regionale Grenzen hinaus operieren.

Bei Problemen mit der Familie ist die Beratungsstelle eines Familienzentrums eine gute Anlaufstelle (z. B. Pro Familia). Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen finden eine Zuflucht in Kultur- oder Jugendzentren. Arbeitslose mit Behinderung, von Armut bedrohte Senioren und Obdachlose, sie alle finden Hilfe in einem der Wohlfahrtsverbände. Beispiele dafür sind:

  • Arbeiterwohlfahrt
  • Deutsche Caritasverband
  • Deutsche Rote Kreuz
  • Paritätische Wohlfahrtsverband
  • Diakonische Werk
  • Evangelische und katholische Kirche sowie der Bund freier evangelischer Gemeinden
  • Pro Familia
  • SOS-Kinderdörfer
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland

Soziale Beratung für Hilfesuchende

Soziale Einrichtungen bieten vor allem auch Beratung an.
Soziale Einrichtungen bieten vor allem auch Beratung an.

An wen können sich speziell Hartz-4-Empfänger wenden, um Hilfe bei drohender Obdachlosigkeit, zur Einforderung ihrer Rechte oder schlicht bei Behördengängen zu erhalten?

Für die erste Orientierung gibt es fast in jeder Stadt oder Gemeinde eine Sozialberatungsstelle. Ein Dachverband für soziale Beratungsstellen in Deutschland ist der Sozialverband Deutschland (SoVD). Diese Stellen kennen sich gut mit dem Sozialsystem aus und können Ihnen mit den Behörden und Anträgen helfen.

Den meisten Menschen sind auch die Tafeln ein Begriff. Vereint unter dem Dachverband der Tafel Deutschland e.V., organisieren sie auf kommunaler Ebene eine günstige Lebensmittelversorgung für Bedürftige. Nur, wer die Bedürftigkeit nachweisen kann, darf hier einkaufen.

Die Caritas, ein katholischer Wohlfahrtsverband, unterhält bundesweit zahlreiche Beratungsstellen. Sie dient Menschen mit wirtschaftlichen und persönlichen Problemen als Anlaufstelle. Die religiöse Zugehörigkeit spielt dabei keine Rolle (d. h. auch Nicht-Katholiken dürfen die Beratung in Anspruch nehmen). Das Besondere bei der Caritas ist die Online-Beratung.

Bildnachweise: fotolia/Robert Kneschke, fotolia/itakdalee, fotolia/Gregory Lee, fotolia/g215/fotolia/Antonioguillern.

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